3.
Die marxistische Politische Ökonomie
Marx beginnt seine
Analyse der kapitalistischen Produktionsweise mit der Untersuchung der
Kategorien Ware und Geld. Warenproduktion
ist bereits vor dem Kapitalismus entstanden, aber erst der
Kapitalismus drückt nahezu allen wirtschaftlichen Gütern den Stempel
der Ware auf. Waren sind Produkte, die ein Bedürfnis befriedigen und
damit einen Gebrauchswert darstellen - und die zugleich für den
Austausch hergestellt werden, also Tauschwert bilden. Geschichtliche
Voraussetzung für den Tausch ist die Einschränkung und schließliche
Beseitigung des Selbstversorgungsprinzips und die Entstehung der
Arbeitsteilung bei gleichzeitiger Entwicklung des Privateigentums. Als
Privateigentümer arbeiten die Produzenten für sich, als Glieder in
der Arbeitsteilung hat ihre Arbeit -
die objektiv den Bedarf anderer, statt den Eigenbedarf befriedigt
- gesellschaftlichen
Charakter. Hierin zeigt sich für Marx ein Widerspruch der
Warenproduktion, der zu Problemen führt: welche gesellschaftliche
Bedeutung die private Arbeit hat, zeigt sich erst nach vollbrachter
Produktion, wenn die Ware, auf dem Markt angeboten, ihren Preis erzielt
oder nicht erzielt.[1] Der Tauschvorgang
setzt Waren einander gleich: ein bestimmtes Quantum einer Ware gilt
gleich einem bestimmten Quantum einer anderen Ware. Diese Gleichung
erscheint als ein rein quantitatives Verhältnis, in dem von der
konkreten Qualität der Güter abstrahiert wird. Als qualitativ
bestimmte Gebrauchswerte betrachtet, sind die Waren - immer Marx
zufolge - dagegen unvergleichlich und schlechthin verschieden. Es muß
offenbar ein gemeinsames Drittes geben, irgendeine Eigenschaft, in
bezug auf die zwei qualitativ ganz ungleichartige Dinge einander
gleichgesetzt können. Wenn man aber von allen qualitativen
Unterschieden abstrahiert, verbleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft:
diejenige, Produkt menschlicher Arbeit zu sein. An der Arbeit zeigen
sich aber ebenfalls zwei polarisch einander gegenüberstehende
Momente: Arbeit ist zum einen konkrete Geschicklichkeit, die Stoffe
der Natur zu Gebrauchswerten umformt: Weberei, Schusterei usw. Die
Geschicklichkeiten sind schlechterdings verschieden und
inkommensurabel, können das gemeinsame Dritte, das gesucht wird,
nicht darstellen. Es zeigt sich jedoch, daß mit dem Abstrahieren von
der Qualität der Güter auch von der Qualität der sie
hervorbringenden Arbeit abstrahiert werden muß und daß sodann auch
an der Arbeit nur noch die eine, allen Arbeiten gemeinsame Eigenschaft
verbleibt, in Zeit zu messende Verausgabung physischer Kräfte
(Muskel- und Nervenkraft) zu sein. Nur diese „abstrakte Arbeit“
ist Tauschwert- bzw. Wert-bildend. Allerdings ist sie dies nicht
schlechthin, sondern nur sofern sie gesellschaftlich-notwendigen
Charakter trägt. Das bedeutet zweierlei: Arbeit, die auf Dinge
verwandt wird, die für andere Menschen nutzlos sind, ist nicht
wertbildend, zweitens kommt nicht der tatsächliche Arbeitsaufwand in
Betracht, sondern der „gesellschaftlich-durchschnittlich
notwendige“, d.h. die Zeit, die für die Herstellung eines
reproduzierbaren Gutes bei Einsatz durchschnittlicher
Produktionsmittel und bei einem Durchschnittsgrad an Arbeitsintensität
und Geschicklichkeit notwendig ist. Mit der Senkung des
gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Arbeitsaufwandes für
eine bestimmte Warenart sinkt der Wert der einzelnen Ware dieser
Kategorie, d.h. steigende Arbeitsproduktivität wirkt tendenziell
verbilligend. Gegenüber der
Theorie, daß die Knappheit der Güter den Warenwert bestimmt,
verweist Marx darauf, daß diese Seltenheit sich in hohem
Arbeitsaufwand bei der Gewinnung der Rohstoffe etc. niederschlägt. Daß
qualifizierte Arbeit gewöhnlich höher bewertet wird als einfache,
versucht er durch die Formel, komplizierte Arbeit werde als
multiplizierte einfache Arbeit gewertet, mit der Arbeitswerttheorie in
Einklang zu bringen. Der Tauschwert ist die Widerspiegelung des Werts
einer Ware im Gebrauchswert einer anderen: direkt und unmittelbar kann
sich der Anteil einer einzelnen Ware an der gesellschaftlichen
Gesamtarbeit unter tauschwirtschaftlichen Bedingungen nicht
manifestieren. Den Tauschpartnern gilt ihre eigene Ware jeweils als
Tauschwert bzw. -mittel, die des Partners interessiert sie in ihrer
Eigenschaft als Gebrauchswert. Marx verteidigt sich gegen Mißverständnisse
seines Wertbegriffs, indem er schreibt, „daß die den verschiednen
Bedürfnismassen entsprechenden Massen von Produkten verschiedene und
quantitativ bestimmte Massen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit
erheischen [...]. Und die Form, worin sich diese proportionelle
Verteilung der Arbeit durchsetzt in einem Gesellschaftszustand, worin
der Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeit sich als Privattausch
der individuellen Arbeitsprodukte geltend macht, ist eben der Tauschwert
dieser Produkte.“[2] In den verschiedenen
Ausdrucksweisen des Werts einer Ware in einer anderen reflektiert sich
die durch die Entfaltung der Widersprüche von privater und
gesellschaftlicher Arbeit angetriebene Entwicklung der Wertformen vom
einzelnen zufälligen Tauschverhältnis über die entfaltete totale
Form, in der alle Waren ihren Wert in einer bestimmten Ware, der
jeweiligen Äquivalentware, ausdrücken, bis hin schließlich zur
Geldform: Das Geld ist das allgemeine Äquivalent, eine Ware, deren
spezifischer Gebrauchswert bloß noch in der Vermittlung des Tauschs
besteht. Geld ist gewissermaßen - als Anweisung auf jedes beliebige
Arbeitsprodukt - die Inkarnation des gesellschaftlichen Reichtums. Die
Rolle der Äquivalentware fällt schließlich den edlen Metallen,
speziell dem Gold zu. Das Geld tritt auf als Maß der Werte, d.h. als
Preismaßstab, als Vermittler der Warenzirkulation, als
Zahlungsmittel, Kredit, Mittel der Reservebildung und als Weltgeld.
Das Gold wird als Umlauf- und Zahlungsmittel später vom Papiergeld
verdrängt, dessen Wert aber letztlich vom Goldwert abhängt. Wie eine
solche Abhängigkeit unter den heutigen Bedingungen noch vorstellbar
ist, darüber gibt es allerdings Meinungsverschiedenheiten unter den
marxistischen Ökonomen.[3]
Das „Wertgesetz“ fungiert als spontaner Regulator der
Produktion. Sein Durchsetzungsmechanismus ist die Konkurrenz. Der Wert
ist das Gravitationszentrum der Preise; unterschreiten diese in einer
Branche den Wert, wird überschüssige Arbeit durch Ruinierung bzw.
Abwanderung von Produzenten abgeleitet, überschreiten sie ihn, fließen
der Branche zusätzliche Arbeitskräfte zu. Das Wertgesetz wird so zur
Bedingung der Differenzierung der Warenproduzenten, die zu besitzlosen
Proletariern werden oder zu siegreich aus der Konkurrenz
hervorgegangenen Kapitalisten, die nunmehr nicht mehr allein auf die
eigene Arbeit angewiesen sind, sondern fremde Arbeit ausnutzen können.
Daß in der geschichtlichen Realität außerökonomische Gewalt, die
Vertreibung großer Teile des Landvolks von Grund und Boden, eine große
Rolle bei der „ursprünglichen Akkumulation des Kapitals“ spielt,
wird von Marx nicht ignoriert, sondern deutlich herausgestellt. Der Analyse von Ware
und Geld folgt die von Kapital
und Mehrwert. Kapital ist nicht mehr bloßer Vermittler des
Warenaustauschs, sondern gewinnt die Funktion, sich zu vermehren: man
gibt Geld für Ware, um für diese schließlich mehr Geld zu erlösen,
profitable Anlage ist das Ziel. Woher stammt ein solcher Profit bzw.
Mehrwert? Es werden doch gleiche Werte - Äquivalente -
getauscht, und aus Übervorteilung kann ein Gewinn höchstens im
Einzelfall - durch
„Umverteilung“ -, jedoch
nicht im gesellschaftlichen Gesamtrahmen entstehen! - Bei Äquivalentenkompensation
ist die Mehrwertbildung oder Verwertung des Wertes nur erklärbar,
wenn Geld für eine solche Ware gegeben wird, die selber an der
Wertschöpfung beteiligt ist. Die Arbeit als Wertsubstanz kann jedoch
sowenig einen Wert haben wie die Schwere ein besonderes Gewicht. Marx
löst die Problemantinomie der Kapitalentstehung[4]
durch die begriffliche Differenz zwischen Arbeit und
Arbeitskraft: die letztere, die Fähigkeit zu arbeiten, kauft der
Kapitalist auf dem Arbeitsmarkt; wenn der Lohn als Preis der Arbeit
als solcher bzw. ihrer Produkte erscheint, so ist dies nur eine, wenn
auch objektiv bedingte Illusion. Der Tauschwert der Arbeitskraft als
Ware besteht wie bei jeder Ware in ihren Reproduktionskosten - also im
Preis der Subsistenzmittel des Arbeiters und seiner Familie, wobei
Marx zugesteht, daß bei der Bestimmung dieser Größe ein
„historisches und moralisches Element“[5]
eine gewisse Rolle spielt. (Dem Preis der Subsistenzmittel liegt natürlich
wieder die notwendige Arbeitszeit zu ihrer Herstellung zugrunde.)
Zwischen diesem Tauschwert und dem Gebrauchswert der Arbeit für den
Kapitalisten besteht eine Differenz, denn dieser Gebrauchswert der
Arbeitskraft besteht gerade darin, sie zur Wertschöpfung einsetzen zu
können. Diese Differenz ist die Quelle des Mehrwerts, der den
Arbeitern vorenthalten und vom Kapitalisten unentgeltlich angeeignet
wird: ein Akt der Ausbeutung. Das Kapital ist - so
betrachtet - letztlich identisch mit dem gesellschaftlichen Verhältnis
von Kapitalist und Lohnarbeiter, deren Interessenantagonismus den
Klassenkampf hervorruft, jede Sozialpartnerschaft illusorisch macht:
„Solange der Lohnarbeiter Lohnarbeiter ist, hängt sein Los vom
Kapital ab. Das ist die vielgerühmte Gemeinsamkeit des Interesses von
Arbeiterklasse und Kapitalist.“[6]
Der Kapitalist ist bestrebt, durch Steigerung der Mehrwertrate,
d.h. des Ausbeutungsgrades der Arbeitskraft, seinen Profit zu erhöhen;
der Arbeiter muß danach trachten, seine Haut so teuer wie möglich zu
Markte zu tragen. Ohne die Gewerkschaften als „Sammelpunkte des
Widerstandes gegen die Gewalttaten des Kapitals“[7]
erhielte er „nicht einmal
das, was ihm nach den Regeln des Lohnsystems zusteht. Nur die Furcht
vor den Trade-Unions kann den Kapitalisten zwingen, dem Arbeiter den
vollen Marktwert seiner Arbeitskraft zu bezahlen.“[8] Zwei Methoden zur
Steigerung der Ausbeutung setzt der Kapitalist ein: 1. die Produktion des
absoluten Mehrwerts, d.h. Verlängerung des Arbeitstages und dadurch
der Mehrarbeitszeit gegenüber der notwendigen Arbeitszeit; wo etwa
der Kampf der Arbeiterklasse um Arbeitszeitverkürzung dieser Methode
Grenzen setzt, tritt 2. die Produktion des relativen Mehrwerts in den
Vordergrund: steigende Arbeitsproduktivität durch Einsatz von Technik
und systematischer Arbeitsorganisation verbilligt die Subsistenzmittel
des Arbeiters. Das ökonomische Grund- und Bewegungsgesetz des
Kapitalismus, das „in der Jagd nach Mehrwert oder Plusmacherei“
besteht, ordnet bedarfsgerechte Produktion als bloßes Mittel dem
eigentlichen Zweck, der Profitmaximierung, unter; eine
Zweck-Mittel-Verkehrung, die für Marx das Charakteristikon der
kapitalistischen Produktionsweise bildet. Marx würde sich jedoch
gegen eine „Psychologisierung“ dieser Kapitalismus-Kritik wehren:
die Triebfeder der Gewinnsucht ist für ihn nur ein Reflex des
zugrundeliegenden ökonomischen Verhältnisses, als dessen
Charaktermaske der individuelle Kapitalist auftritt. Die
Grundlage dieser Analyse der ,kapitalistischen Ausbeutung‘ bildet
die eingangs referierte Arbeitswerttheorie: nur wenn ausschließlich
die Arbeit der volkswirtschaftlich wertbildende Faktor ist, kann Marx
so argumentieren, wie er es tut. Wertmäßig setzt sich ein Kapital
aus dem konstanten Kapital c (= Wert der Maschinen, Anlagen, Rohstoffe
usw.), dem variablen Kapital v (Lohnkosten) und dem Mehrwert m
zusammen. Einen wichtigen Argumentationsschritt für den
„Alleinvertretungsanspruch“ der Arbeit bildet die Frage der Übertragung
des dem Verschleiß der Maschinen entsprechenden Teils des Altwerts c
auf das neue Produkt, dessen Neuwert sich aus v + m zusammensetzt.
Hierbei greift Marx erneut auf die „konkrete Arbeit“ zuruck: die
Geschicklichkeit des Arbeiters überträgt nach und nach den Wert der
Anlagen und erhält ihn damit. Dieser Wert selbst ist das Resultat der
für die Produktion der Maschinen und Halbfabrikate aufgewendeten
Arbeitszeit - die Maschine als totes Ding ist nicht wertbildend, nur
die lebendige Arbeit ist es. Der erste Band des
„Kapital“ von Marx gipfelt in der Akkumulationstheorie:
Wird nach vollendetem Produktionsprozeß die Produktion nicht auf
gleicher, sondern auf höherer Stufe wiederholt, spricht man von
erweiterter Reproduktion. Diese entspricht dem Mehrwertgesetz: In der
Jagd nach Surplus, erzwungen durch den Konkurrenzmechanismus, wird die
Produktion und damit die Masse des Mehrwerts ausgeweitet. Dies muß
dazu führen, daß jedwedes Kapital, mag es auch ursprünglich, der bürgerlichen
ökonomischen Theorie entsprechend, kraft persönlicher Tüchtigkeit
angehäuft (akkumuliert) worden sein, schließlich nur noch aus
unentgeltlich angeeignetem Mehrwert besteht. Die Konkurrenz führt zur
Konzentration des Kapitals in immer größeren Betrieben und zur
Zentralisation, d.h. Zusammenfassung schon bestehender Kapitale: „Je
ein Kapitalist schlägt viele tot.“[9]
Das hat auf der anderen Seite Wachstum des Proletariats und wachsende
Polarisierung der Gesellschaft zur Folge. Der Einsatz von immer mehr
Maschinen zum Zwecke der Profitproduktion hat den Effekt einer
relativen Übervölkerung durch „Wegrationalisierung“ von
Arbeitsplätzen; Existenzunsicherheit ist die Folge. Marx ist der
Auffassung, daß die Bildung einer immer größeren „industriellen
Reservearmee“ mit ihrem Druck auf die Löhne eine Verelendung des
Proletariats zur Folge haben muß und daß diese den Arbeitern schließlich
keine andere Wahl als die revolutionäre Aktion lassen wird: Sie wird
erfolgreich sein, weil die Arbeiter durch das Industriesystem selbst
geschult, vereinigt und organisiert sind. Dann schlägt die Stunde des
kapitalistischen Privateigentums, die Expropriateurs werden
expropriiert.[10]
Es ist die Geburtsstunde einer neuen sozialistischen
Gesellschaft. Die
„Verelendungstheorie“ ist einer der meistumstrittenen Punkte im
Marxschen Werk: Immer wieder hat sich hier die Kritik festgemacht, die
marxistische Prognose sei durch den Lauf der Geschichte falsifiziert
worden. Doch muß man immerhin bedenken, daß Marx selber bereits von
Faktoren spricht, die dem vollen Durchschlagen der Verelendungstendenz
entgegenwirken und daß auch Engels und Lenin das Gesetz nicht im
Sinne einer absoluten physischen Verelendung aufgefaßt haben.[11] Der zweite Band des
Marxschen „Kapital“ behandelt die Reproduktion
und Zirkulation des Kapitals. Am Kapital können nicht nur drei
wertmäßige, sondern auch drei funktionelle Formen unterschieden
werden, das Geldkapital (flüssige Mittel), das produktive, d.h. in
Produktionsmitteln gebundene Kapital und das Warenkapital, die
verkaufsfertigen Produkte. Es sind dies Formen, die sich fortwährend
ineinander metamorphosieren müssen, ein Prozeß, in dem Stockungen
und Krisen auftreten können. Marx nennt diese Metamorphose den
periodischen Umschlag des Kapitals. Sein Tempo ist in den
verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich. Die Umschlagszeit, d.h.
die Zeit bis zur Rückverwandlung des Waren- in Geldkapital, setzt
sich aus der Produktions- und Zirkulationszeit zusammen. Innerhalb des
produktiven Kapitals unterscheidet Marx fixes und zirkulierendes
Kapital, wobei er unter letzterem jenen Teil versteht, dessen Wert
voll auf die neue Ware übertragen wird. Man versucht, das fixe
Kapital - z. B. durch
mehrschichtige Auslastung von Anlagen - maximal zu nutzen, denn es
verschleißt nicht nur physisch - was sich buchhalterisch in den
Abschreibungen niederschlägt -, sondern auch „moralisch“, d.h. es
kann durch neue und bessere Maschinen, die auf den Markt kommen,
entwertet werden. In einer Produktionsperiode ist die eigentliche
Arbeitszeit und die Zirkulationszeit zu unterscheiden, d.h. die Zeit für
Lagerung, Transport usw. Da die letztere für die eigentliche
Wertbildung nicht in Betracht kommt, versuchen die Kapitalisten,
solche „faux frais“ (tote Kosten) - heute z.B. durch Einsatz von
EDV usw. - möglichst
gering zu halten.[12] Was die Reproduktion
des gesellschaftlichen Gesamtkapitals angeht, so erfordert sie
bestimmte Proportionen zwischen der Abteilung I (Produktion von
Produktionsmitteln) und II (Produktion von Konsumtionsmitteln). Soll
erweiterte Reproduktion, also Wachstum stattfinden, muß I schneller
wachsen als II. Da im Kapitalismus solche Proportionen nicht von
vornherein planmäßig eingehalten werden, sondern allenfalls indirekt
und nachträglich beeinflußt werden können, setzen sie sich nur
unter Reibungsverlusten und Krisen durch. Den Kritikern von
Marx ist seit jeher als ein Gegenargument gegen die Mehrwerttheorie
die Tatsache erschienen, daß in der wirtschaftlichen Praxis nicht mit
Mehrwertraten, also dem Verhältnis von m zu v, sondern mit Renditen,
d.h. dem Verhältnis des Profits zum gesamten vorgeschossenen Kapitel
(c + v) operiert wird. Marx thematisiert dieses Problem bei der
Behandlung der Kategorien Profit
und Produktionspreis im dritten Band des „Kapital“: Für den
Kapitalisten ist die Arbeit ein Kostenfaktor genauso wie die
Maschinerie, und weil ihm beide in der Praxis gleich gelten, stellt er
sich den Mehrwert als Abkömmling des gesamten vorgeschossenen
Kapitals vor. Die Profitrate oder Rendite kann nun in der Tat bei
gleichbleibender Mehrwertrate, infolge wachsender „organischer
Zusammensetzung des Kapitals“ (d.h. infolge des Wachstums von c
gegenüber v + m) sinken. Dennoch bleibt die Masse von Mehrwert und
Profit dieselbe, was die Abhängigkeit des Profits vom Mehrwert
beweist. Da jedoch für Investitionsentscheidungen die Profitrate der
entscheidende Parameter ist, wird - unter den Bedingungen freier
Konkurrenz - Kapital aus Branchen mit überdurchschnittlicher
organischer Kapitalzusammensetzung abgezogen und strömt in die
profitträchtigen Anlagesphären - bis Übersättigung wiederum zum
Abfluß führt. Durch diese Kapitalwanderungen und die Konkurrenz
innerhalb der Branchen gleichen sich die unterschiedlichen Profitraten
permanent zu einer Durchschnittsprofitrate aus, die „auf ein Kapital
von gegebener Größe fällt, welches immer seine organische
Zusammensetzung“.[13]
Die so entstehenden Preise (Kostpreis + Durchschnittsprofit)
bezeichnet Marx als Produktionspreise, um die die Marktwerte nun
schwanken, - nach Meinung von Kritikern eine Außerkraftsetzung, nach
Auffassung Marxens nur eine Metamorphose des Wertgesetzes, dessen
Geltung sich weiterhin in der Identität von Profit- und Mehrwertmasse
in bezug auf das gesellschaftliche Gesamtkapital zeigt. Zwischen dem Zweck
der Verbesserung der Verwertungsbedingungen des Kapitals und den dazu
notwendig anzuwendenden Mitteln, nämlich der Ausweitung des Einsatzes
von Maschinen, kommt es zu einem Widerspruch, der -
wenn er auch zeitweilig durch entgegenwirkende Faktoren gedämpft
werden mag - für die
kapitalistische Produktionsweise sprengend wirken muß, indem er ihr
den Stachel der Entwicklung zu rauben droht: Die wachsende organische
Zusammensetzung des Kapitals führt nämlich zu einem tendenziellen
Fall der Profitrate (bei steigender Profitmasse). Hier erweist sich für
Marx das Kapitalverhältnis selbst als wahre Schranke der Entwicklung
der kapitalistischen Produktion. In welchem Verhältnis diese Begründung
der materiellen Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus zu der
im ersten Band des Kapital gegebenen akkumulationstheoretischen steht,
wird von Marx nicht ausgeführt.[14] Im Umschlagsprozeß
des Kapitals entsteht zeitweilig freies Geldkapital. Dieses wird
verwertet durch Überlassung an andere Kapitalisten gegen Zins.
Das Geld wird so zu einer Ware besonderer Art, die nicht verkauft,
sondern verliehen wird. Mit dem Leihkapital,
so Marx, wird aber jene Mystifikation gesteigert, die bei der Ware
sich darin äußerte, daß der Wert als ihre sachliche, nicht als ihre
gesellschaftliche Eigenschaft erschien, und die sich später darin
zeigte, daß der Mehrwert nicht aus Arbeit allein zu entspringen
schien. Der Zins ist eine irrationale Form des Preises. Denn jetzt
erscheint es als eine quasi natürliche Eigenschaft des Geldes, sich
wundertätig aus sich selbst heraus zu vermehren, „Junge zu
werfen“. Wechsel und kommerzieller Kredit werden im Laufe der
Entfaltung des Kapitalismus immer wichtiger, denn die Akkumulation
zwingt immer mehr zur Aufnahme von Fremdmitteln zur Finanzierung der
stets wachsenden Investitionen. Damit steigert sich zum einen die
Rolle der Banken als
Erfasser und Verteiler des Geldkapitals und Verwandler von
Spareinlagen in Leihkapital. Zum anderen bildet sich das Aktienkapital
als besondere Form des zinstragenden Kapitals heraus. Die Aktie
berechtigt ihren Besitzer bekanntlich, einen Teil des Profits der
Aktiengesellschaft als Dividende einzustreichen. In der Börse
entsteht ein Ort, an dem mit diesen, vom Arbeitswert relativ unabhängigen,
irrationalen „Werten“ wie mit Waren gehandelt wird. Ihr Wert ist
in höherem Maße als beim kalkulierbaren Zinsfuß, der heute
weitgehend von dem durch die Zentralbank festgelegten Diskontsatz abhängt,
Schwankungen ausgesetzt, wodurch sich der Spekulation ein weites Feld
eröffnet. Die dabei erzielten Verluste und Gewinne haben „nichts
mit der Produktion, nichts mit der Bewegung des tatsächlich
vorhandenen Kapitals zu tun. Die Herausgabe von Aktien vermehrt den
materiellen Reichtum einer Nation genauso wenig wie die Herausgabe von
Papiergeld. Sie kann im besten Fall eine Widerspiegelung der tatsächlich
vor sich gehenden Erweiterung der Produktion sein.“[15] Die These, daß das
Aktienwesen das Kapital demokratisiert habe, ist nach marxistischer
Auffassung schief, denn entscheidend für die wirtschaftlichen
Entscheidungen ist das jeweilige Aktienkontrollpaket, das bei breiter
Streuung des Aktienkapitals nur ca. 30-40% beträgt und über das Großaktionäre,
vor allem Banken, bestimmen. Auch sei das Management der großen
Kapitalgesellschaften keine nichtkapitalistische Technostruktur,
sondern eine Schicht von leitenden Funktionären, die für die Eigner
Profite erwirtschaften. Die Trennung von Kapitaleigentum und -funktion
mache nur die Überlebtheit der Produktionsverhältnisse deutlich, die
einmal von ihrer Identität ausgingen.[16] Der Kapitalismus
macht nicht nur Arbeit und Geld, sondern auch die Naturgrundlage der
Produktion zu einer veräußerlichen Ware: den Grund
und Boden, der eigentlich, da er kein Arbeitsprodukt ist, keinen
„Wert“ haben kann. So wie der industrielle Kapitalist einen Teil
des geschaffenen Mehrwerts in Form des Profits, das Leihkapital einen
Teil dieses Profits in Form des Zinses aneignet, so das Grundeigentum
einen weiteren Teil in Form der Grundrente.[17]
Sie erscheint in der Form des Bodenpreises, der Pachtgebühren und
des Hypothekenzinses. Diesen liegen zwei Grundformen der Rente, die
Differentialrente I und II zugrunde. Wegen der Beschränktheit der
durch das Grundeigentum monopolisierten Bodenfläche macht sich der
Produktionspreis für landwirtschaftliche Güter nicht am
durchschnittlich ertragreichen oder durchschnittlich günstig zum
Markt liegenden, sondern am schlechtesten noch bebauten Boden fest: in
den Boden wird nur investiert, wenn durchschnittlich günstiger Profit
selbst im schlechtesten Fall zu erwarten ist. Die Differenz zwischen
diesem überhöhten gesellschaftlichen Produktionspreis und den
individuellen Produktionspreisen der besseren Böden wird über die
Pachtzinsen als Differentialrente I angeeignet, während die
Differentialrente II als Ergebnis einer Intensivierung der Produktion
durch den Pächter entsteht. Den dadurch entstehenden Extraprofit
eignet sich zwar zunächst der Pächter, nach Ablauf des
Pachtvertrages aber der Grundeigentümer an, der im neuen Vertrag eine
höhere Pacht festsetzen kann. Auch bei den Mieten ist ein gewisser Anteil Rente, da sie „den Wertaufschlag
des Grundstücks, auf dem das Haus steht, mit zu verzinsen“ haben.[18]
Der Bodenpreis, andererseits, ist nichts als kapitalisierte
Grundrente. Das Grundeigentum erlegt der Bevölkerung einen Tribut auf
„für das Recht, die Erde bewohnen zu dürfen“[19].
Die Spekulation mit Grundstücken verteuert die Mieten und verstärkt
die ,Unwirtlichkeit der Städte‘. Man reißt Wohnraum nieder „und
baut Läden, Warenlager, öffentliche Gebäude“ an seiner Stelle,
die höhere Mieten bringen.[20]
Die Kapitalisierung der Landwirtschaft führt zur Ruinierung
eines Teils der bäuerlichen Produzenten und zur Verschuldung eines
anderen Teils bei den Banken, die über Hypotheken einen großen Teil
des landwirtschaftlichen Eigentums kontrollieren. Die Vernichtung
landwirtschaftlicher Überschüsse bzw. ihr Ankauf durch den Staat, während
gleichzeitig Millionen in der Dritten Welt hungern, ist eine weitere
vom Marxismus zu Recht kritisierte Seite des Kapitalismus in der
Landwirtschaft. Die Autoren eines
einführenden Werkes in die Politische Ökonomie aus der DDR resümieren:
„Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals, der wachsenden
Masse des fiktiven Kapitals und der damit zusammenhängenden Rolle und
Bedeutung der Banken schließt sich der Kreis in der Entwicklung des
Kapitals. Er begann vor Jahrhunderten in der Zirkulationssphäre als
Wucher- und Kaufmannskapital, eroberte sich die Produktion, um dann
einer ganzen Produktionsweise seinen Stempel aufzudrücken. In dem Maße,
wie sich in der weiteren Entwicklung Kapitaleigentum und
Kapitalfunktion voneinander trennten, sich daher das Kapital von der
Produktion entfernte, verstärkte sich der parasitäre Charakter des
kapitalistischen Eigentums. In unserer Zeit wird die ganze
kapitalistische Welt von einer Handvoll Milliardäre beherrscht, die
ganze Völker skrupellos im Interesse ihrer Profite ausplündern.
Obwohl überhaupt nicht mit der Produktion verbunden, entscheiden sie
über die Wirtschaft und Politik der imperialistischen Staaten. Das
alles drückt die Überlebtheit des Kapitalismus aus, aber auch die
Gefahr, die für die ganze Menschheit von einer Gesellschaft ausgeht,
deren Produktionsverhältnisse im krassen Widerspruch zu den
Erfordernissen der gesellschaftlichen Entwicklung stehen.“[21] Es ist Lenin, der im
Anschluß an Rudolf Hilferdings „Das Finanzkapital“ die Analyse
des modernen Kapitalismus im Sinne von Marx fortzuführen versucht.
Darüber, ob seine Imperialismus-Theorie
tatsächlich „marxistisch“ sei, hat es manchen Streit gegeben;
wir wollen uns aber hier darauf beschränken, diese Theorie kurz zu
referieren.[22]
Lenin geht davon aus, daß der Kapitalismus aufgrund der
zuletzt beschriebenen Tendenzen in sein „imperialistisches
Stadium“ hinübergewachsen ist, in dem sich das Monopolkapital
herausgebildet hat, Bank- und Industriekapital zum Finanzkapital verwächst,
der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen und die Aufteilung
der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat, während
zugleich die Aufteilung des Territoriums der Erde durch die großen
kapitalistischen Länder (Kolonialismus) abgeschlossen ist. Daraus ergäben
sich mit ökonomischer Notwendigkeit, nicht bloß als eine unter
mehreren politischen Optionen der Herrschenden, imperialistische
Weltkriege. Die Monopole (Kartelle, Trusts, Syndikate, Verbände) hätten
eine derart dominierende Stellung erobert, daß sie die freie
Konkurrenz, aus der sie erwachsen sind, partiell aufheben. Sie könnten
sich so in parasitärer Weise Extraprofit ohne Gegenwert aneignen. Daß
dies den technischen Fortschritt nicht gebremst hat, wie zahlreiche
marxistische Ökonomen früher annahmen, ist heute allgemein
eingestanden. Allerdings bleibt es bei der Auffassung, daß die Früchte
des technischen Fortschritts monopolisiert werden, daß er sich unter
monopolkapitalistischen Bedingungen weitgehend gegen den humanen
Fortschritt vollzieht, was etwa an der Herausbildung gigantischer
militärisch-industrieller Komplexe sichtbar werde, die das Wettrüsten
anzuheizen bestrebt sind und einen entsprechenden Einfluß auf die
Politik nehmen. Lenin nannte den Imperialismus den Vorabend der
proletarischen Revolution, die unmittelbare Vorstufe des Sozialismus:
er scheint die Intensität der revolutionären Welle gegen Ende des
Ersten Weltkriegs überschätzt zu haben. Unter
imperialistischen Bedingungen geraten nach marxistisch-leninistischer
Auffassung - ganz abgesehen
von den Völkern der Dritten Welt - auch Teile der kleinen und
mittleren Bourgeoisie in die Ausbeutungssphäre des Monopolkapitals,
was den sozialen Inhalt des „kapitalistischen Grundwiderspruches“
erweitert hat und ein antimonopolistisches und antiimperialistisches Bündnis
unter Führung der Arbeiterklasse möglich macht. Der Imperialismus
gestattet es aber auch den Monopolen, Teilen der Arbeiterschaft aus
den Extraprofiten überhöhte Löhne zu zahlen und sie damit als
„Arbeiteraristokratie“ bei der Stange zu halten. Damit will man
sich auch das Anwachsen des „opportunistischen“ nichtrevolutionären
Sozialdemokratismus in der Arbeiterbewegung teilweise erklären. Die Ökonomen der
sozialistischen Länder und der meisten kommunistischen Parteien
charakterisieren den heutigen Imperialismus als „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ womit die Tatsache getroffen
werden soll, daß das Monopolkapital den Staat in einem Maße als
Reparaturbetrieb des Kapitalismus ausnutzt, so daß die These von der
Verflechtung und Verwachsung von Monopol- und Staatsmacht zu einem
relativ einheitlichen Herrschaftsmechanismus gerechtfertigt erscheint.
Ohne Staatseingriff in den ökonomischen Prozeß und den Einsatz der
über die Steuern zwangsumverteilten Teile des Nationaleinkommens für
kapitalintensive Investitionen könnte die kapitalistische
Produktionsweise heute gar nicht überleben, so diese Theorie:
Infrastruktur, Forschung und Entwicklung, Rüstung etc. werden über
den Staatshaushalt realisiert, die „antizyklische
Wirtschaftspolitik“ nach Keynes kann die Krisenhaftigkeit der
kapitalistischen Wirtschaftsform zwar nicht aufheben, hilft aber, ihre
Auswirkungen abzumildern. Der Staat springt überall da ein, wo
Investitionen zur Sicherung der Profitproduktion notwendig sind, die
selber nicht hinreichend profitabel sind. Es handele sich daher nicht
um eine Art „Staatssozialismus“, sondern sozialisiert würden die
Verluste, die Gewinne privatisiert. Eine gewisse Schwierigkeit bei der
Behauptung, der Staat werde ausschließlich im Profitinteresse der
Monopole aktiv, bleibe deren Instrument und verselbständige sich nur
relativ, besteht darin, daß über den Staatshaushalt auch zum Großteil
das soziale Netz finanziert wird, Bildungsausgaben, Gesundheitsfürsorge,
Sozial- und Rentenversicherung, Wohnungsbau usw. Zumindest im Bewußtsein
der Lohnabhängigen hat der Staat daher auch jene Schutzfunktion, die
die Rede vom „Vater Staat“ suggeriert. Der Marxismus versucht
diese Seite der Staatstätigkeit in sein theoretisches Modell zu
integrieren, indem er sie als Beitrag zur Erstattung der
Reproduktionskosten der Arbeitskraft wertet, zu denen immer mehr auch
die Lebensqualität, Wohnung, Bildung usw., gehöre.[23] Marx war der erste,
der die zyklischen Wirtschaftskrisen,
mit stockendem Absatz, Produktionseinschränkungen, Bankrotten und
Arbeitslosigkeit, als notwendigen Ausdruck der Widersprüche der
kapitalistischen Produktionsweise zu deuten versuchte: Da ist etwa der
Widerspruch zwischen Produktion und Markt, der in der schrankenlosen
Ausweitung der Produktion und gleichzeitigen Beschränkung der
zahlungsfähigen Nachfrage durch Druck auf die Löhne besteht, beides
aus dem gleichen Profitmotiv. Aus eben dem gleichen Motiv wird die
Abteilung I gegenüber II noch schneller entwickelt, als zur Sicherung
erweiterter Reproduktion eigentlich nötig wäre, mit der Folge einer
Nichtauslastung von Produktionskapazitäten. Währungskrisen,
permanente Inflation, Agrarkrise und verschiedene andere
Strukturkrisen machen heute den westlichen Ländern zu schaffen. Da
die erforderlichen Mittel für die antizyklische Wirtschaftspolitik
des Staates so gewachsen sind, daß sie allein über die Steuern nicht
mehr aufzubringen sind und der Staat sich verschulden muß, ist eine
chronische Krise der Staatsfinanzen die Folge. Die Kreditaufnahme des
Staates bei der Zentralbank führt aber zur Aufblähung des
Papiergeldumlaufs und hat mithin inflationäre Wirkungen. Wird
versucht, diese durch rigorose Sparpolitik abzubauen, ist der Effekt
eine „Gesundschrumpfung“ auf Kosten der sozial Schwachen.[24] Es verstärken sich
nach Auffassung der marxistischen Ökonomen die Ungleichmäßigkeit in
der Entwicklung des Kapitalismus und die Widersprüche zwischen den
„imperialistischen“ Mächten und Blöcken (EG, USA, Japan usw.).
Die Internationalisierung der kapitalistischen Wirtschaft schreitet
voran, was nicht nur zur Herausbildung der transnationalen Konzerne,
einer Art Supermonopole, führt, sondern auch zur Entstehung
internationaler staatsmonopolistischer Vereinigungen (OECD, GATT, IWF,
Weltbank) und regionaler Vereinigungen wie der EWG. Diese Integration
sei kein harmonisches Zusammenwachsen, sondern ein widerspruchsvoller
Prozeß. Man kann sich darauf berufen, daß die EWG bis heute nicht über
die Zollunion und die Bildung eines gemeinsamen Agrarmarkts
hinausgekommen ist, während die bis 1980 geplante „Wirtschafts- und
Währungsunion“ bis heute nicht realisiert werden konnte. Durch den
Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems mit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges haben sich die ökonomischen Bedingungen für den
westlichen Kapitalismus in der Dritten Welt modifiziert. Heute sei die
Frage die, wie die jungen Staaten das Erbe des Kolonialismus überwinden
und nach der politischen auch ihre ökonomische Unabhängigkeit
erlangen könnten. Für die Kolonialwirtschaft war ein niedriges
Niveau der Produktivkräfte und „eine einseitige, unorganische
Wirtschaftsstruktur typisch. Im Grunde genommen war der größte Teil
der Wirtschaft der Kolonien und abhängigen Länder ein Bestandteil
des Reproduktionsprozesses der jeweiligen imperialistischen Metropole.
Tiefe ökonomische Rückständigkeit, eine abhängige und
untergeordnete Stellung in der kapitalistischen Weltwirtschaft sowie
die Ausplünderung über den kapitalistischen Weltmarktmechanismus und
die Kapitalanlagen der Monopole sind in mehr oder minder hohem Grade
auch heute noch kennzeichnend für die Ökonomik der national
befreiten Staaten.“[25]
Den jungen Nationalstaaten stelle sich die Aufgabe, nicht nur für
eine neue Weltwirtschaftsordnung zu streiten, sondern zugleich einen
nichtkapitalistischen Entwicklungsweg zu beschreiten, der den Weg zum
Sozialismus öffnet. Bei beidem müßten sie sich auf das Bündnis mit
dem real existierenden Sozialismus stützen. Neben die politische
Ökonomie des Kapitalismus stellt der heutige Marxismus die Politische Ökonomie des Sozialismus, wobei er sich bei Marx selber
nur auf knappe Andeutungen stützen kann: Der Sozialismus ist demnach
die erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation, jene, in
der das Prinzip gelten soll: Jedem nach seinen Fähigkeiten, jene
Periode, in der noch nicht alle Muttermale der alten Gesellschaft
abgestreift sind. Der entwickelte Sozialismus soll dann allmählich übergehen
in den Kommunismus, wo „die Arbeit selbst das erste Lebensbedürfnis
geworden [...] alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums
voller fließen“ und das Prinzip gilt: „Jeder nach seinen Fähigkeiten,
jedem nach seinen Bedürfnissen.“[26] Um vom Kapitalismus
zum Sozialismus zu gelangen, ist nach marxistisch-leninistischer
Auffassung eine Übergangsperiode
notwendig, eine Periode revolutionärer Umgestaltungen des
gesellschaftlichen Lebens. Ihr politischer Inhalt besteht im Sturz der
Macht des Kapitals und der Errichtung und Konsolidierung der ,Macht
der Arbeiterklasse‘ im Bündnis mit allen Werktätigen. Die objektiv
bestehende ökonomische Aufgabe dieser Periode besteht in der Ablösung
des privatkapitalistischen Eigentums durch sozialistisches, in der
Schaffung neuer Produktionsverhältnisse und neuer gesellschaftlicher
Beziehungen überhaupt. Der Beginn muß mit der sozialistischen
Nationalisierung gemacht werden, der Verstaatlichung zunächst der
Schlüsselindustrien und Banken. Die Formen und Methoden dieser
Nationalisierung (z.B. die Frage, ob entschädigungslos oder nicht
entschädigungslos enteignet wird) hängen von der
konkret-historischen Situation, dem Verhältnis der Klassenkräfte und
der vom ,Klassengegner‘ angewandten Methoden ab. Auch im
Kapitalismus gibt es Nationalisierungen, sie unterscheiden sich aber
von der sozialistischen Nationalisierung durch Träger, Klasseninhalt,
Objekte (oft unrentable Betriebe), Methoden und Tempo. Unter
bestimmten Bedingungen kann aber die bürgerliche Nationalisierung
durchaus ein Schritt in die richtige Richtung sein, etwa unter den
Bedingungen einer ,antimonopolistischen Demokratie‘, in der eine
progressive Regierungsmehrheit sozial fortschrittliche Reformen
durchsetzt. Die Nationalisierung kann hier einer jener Schritte sein,
die den Weg zum Sozialismus öffnen.[27] Für die Ökonomie
der Übergangsperiode ist die Koexistenz verschiedener
Wirtschaftsformen charakteristisch, jedoch ist diese kein Endzustand
und Selbstzweck wie in der sozialreformistischen Konzeption der
,gemischten Wirtschaft‘. Es stehen sich ein sozialistischer Sektor
(große Industrie) und ein privater gegenüber, der allmählich in
gesellschaftliche Bahnen gelenkt werden soll. ,Durch Überzeugung und
Beispiel‘, so jedenfalls sieht es die Theorie vor, sollen
Handwerker, Bauern usw. zu genossenschaftlichen Zusammenschlüssen geführt
werden. Danach existieren dann zwei Typen des sozialistischen
Eigentums: staatliches und genossenschaftliches. Sozialistische
Industrialisierung unterscheide sich prinzipiell von der
kapitalistischen, und zwar in bezug auf Methoden,
Akkumulationsquellen, Tempo und sozialökonomische Auswirkungen. Eine
allzu einfach anmutende These, wenn man an die Opfer und den Terror in
den Jahren der Industrialisierung in der Sowjetunion denkt. Der Übergang zum
Sozialismus weise allgemeine
Gesetzmäßigkeiten und konkret-historische Besonderheiten auf.
Der soziale Inhalt ist überall derselbe: Auflösung des
kapitalistischen Grundwiderspruches. Daher ergeben sich notwendig
allgemeine Züge jedes sozialistischen Prozesses: Politische Macht der
Arbeiterklasse unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei, Bündnis
von Arbeiterklasse und Bauernschaft, Abschaffung des kapitalistischen
Eigentums an den Produktionsmitteln, sozialistische Umgestaltung der
Landwirtschaft, auf die Hebung des Lebensniveaus der Massen gerichtete
Planung, Kulturrevolution und die Beseitigung nationaler Unterdrückung
(wichtig für einen Vielvölkerstaat wie Rußland). Diese allgemeinen
Züge stehen in Wechselwirkung mit besondern Umständen, die sich aus
der unterschiedlichen Reife der ökonomischen Verhältnisse in diesem
oder jenem Land, den jeweiligen politischen und Klassenverhältnissen,
kulturellen Traditionen, Verschiedenartigkeit der Formen der bürgerlichen
Demokratie usw. ergeben. Dadurch nimmt der Inhalt der sozialen
Revolution eine national-spezifische Form an. Durch die Lösung des
kapitalistischen Grundwiderspruchs sollen auf der Grundlage des
nunmehr gesellschaftlichen Eigentums, d.h. der Verfügung der
Produzenten über die Produktionsmittel, von Ausbeutung freie
Produktionsverhältnisse entstehen, Verhältnisse der
kameradschaftlichen Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe. Die
Produktion dient nun unmittelbar der Bedürfnisbefriedigung, diese ist
nicht mehr Mittel zum Profitzweck. Die noch vorhandenen
Ware-Geld-Beziehungen sind in die neue Vermittlungsweise von
Konsumtion und Produktion integriert und haben - jedenfalls der
Theorie nach - nur noch
instrumentellen Charakter. Hebung des Volkswohlstandes, planmäßige
Nutzung und Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums, Effektivierung
der Produktion zur immer besseren Befriedigung der wachsenden
materiellen und kulturellen Bedürfnisse des werktätigen Volkes,
darin erblickt man das ökonomische Grundgesetz des Sozialismus. Mit dieser These will man
sich auch gegenüber einem asketischen Sozialismusverständnis
abgrenzen, wie man es Mao Tse-Tung zugeschrieben hat. Daß es noch
Probleme mit dem Lebensstandard gibt, wird von offizieller Seite nicht
geleugnet, wenn auch häufig bagatellisiert. Der Hinweis auf
schwierige Startbedingungen und die Notwendigkeit hoher
Verteidigungsausgaben ist sicher allein nicht ausreichend, um diese
Probleme zu erklären. Doch kann man mit Stolz auf wachsende
Sozialausgaben, auf die durch Subventionen billig gehaltenen Preise für
Grundnahrungsmittel - das gilt z.B. für die DDR und die SU -
und die günstigen Mieten (in der DDR z.B. durchschnittlich 4% des
Familieneinkommens) hinweisen. Auch verweist man gerne auf
vorbildlichen Gesundheitsschutz, Ferienangebote der
Staatsgewerkschaften und vor allem auf das hohe Maß an sozialer
Sicherheit der Werktätigen, die keine Arbeitslosigkeit und auch
keinen Lehrstellenmangel kennen; außerdem auf zahlreiche
sozialpolitisch vorbildliche Detaillösungen.[28]
Die Schattenseiten, die solchen Lichtern gegenüberstehen,
werden im Gegensatz zu Mißständen des Kapitalismus nicht als
systemimmanente Defekte gesehen, sondern als Ausnahmen, „noch“
ungelöste Probleme. Charakteristisch für
die sozialistische Wirtschaft ist die zentrale
Planung. Daß andere Formen der Planung denkbar und praktikabel
sind, wird in Abrede gestellt. Die notwendigen Proportionen der
Volkswirtschaft sollen sich im Sozialismus nicht mehr spontan
durchsetzen, durch Disproportionen und Krisen hindurch, sondern durch
das absichtsvolle Handeln der Gesellschaftsmitglieder. Planmäßigkeit,
so Lenin, ist bewußt eingehaltene Proportionalität.[29]
Sie ist nur da möglich, wo gesellschaftliches Eigentum
existiert, welches das Interesse der Produzenten zu einem
gemeinschaftlichen macht. Die Pläne, von der staatlichen Planbürokratie
aufgrund entsprechender Beschlüsse der Parteitage erstellt, haben den
Charakter von Direktiven. Das „Plansoll“ ist eine Kategorie, die
in der ökonomischen Praxis eine direktere Rolle spielt als das
allgemein gehaltene ökonomische Grundgesetz. Zwar lautet die
offizielle Losung „Plane mit, arbeite mit, regiere mit“, aber der
Mitbestimmungsspielraum gegenüber dem Plan ist ein sehr enger und
reduziert sich für den einzelnen und das Kollektiv (die
„Brigade“) im wesentlichen auf das Recht, die Planvorgaben, im
Zuge der „Gegenplanbewegung“, zu überbieten. Natürlich kommt es
auch vor, daß unrealistische Planvorgaben -etwa durch Einspruch der
zwar parteikonformen, aber durchaus einflußreichen und rührigen
Gewerkschaften - zurückgestutzt werden. „Der Plan“
(Jahrespläne, Fünfjahrespläne und Perspektivplanungen) steckt auch
den Rahmen ab, in dem sich die ökonomischen Entscheidungen der
formell selbstverwalteten Genossenschaften bewegen können:
Hauptabnehmer ihrer Produkte und Lieferant ihrer Maschinen, Düngemittel
usw. ist ja der staatliche Sektor. Das System der Planung und Leitung
der Volkswirtschaft in den sozialistischen Ländern hat Wandlungen
durchgemacht und wurde in den 60er Jahren einer gründlichen Reform unterzogen. Das alte Planungssystem
etwa in der Sowjetunion war der Zeit der Industrialisierung und
der kapitalistischen Einkreisung angemessen, so meint man, als
Riesenobjekte aus dem Boden gestampft werden mußten, was allein schon
wegen des Kadermangels nur durch Hochzentralisierung möglich war. Im
Plan dominierten die quantitativen Kennziffern
(„Tonnenideologie“). Im Lohnsystem wurden Höchstleistungen von
Schrittmachern prämiert („Stachanow-System“). Mit diesem System
wurde die ökonomische Rückständigkeit eines Landes wie Rußland überwunden,
und es bewährte sich in der Kriegswirtschaft unter den Bedingungen
des härtesten Kampfes gegen ausländische Invasoren, indem es die
Konzentration aller Kräfte auf die lebenswichtigen
Schwerpunktaufgaben ermöglichte. Nach dem Weltkrieg erwies es sich
jedoch als der veränderten Produktions- und Qualifikationsstruktur
nicht mehr angemessen - es hinderte die notwendige Diversifizierung
der Produktion und lähmte die Initiative der ,Kader‘. So wurde die
Reform zur objektiven Notwendigkeit. Bei Beibehaltung der
zentralen Festlegung der volkswirtschaftlichen Grundproportionen wurde
die Selbständigkeit der einzelnen Regionen und der einzelnen Betriebe
entscheidend verstärkt, mit dem Ziel, die Effektivität der
Volkswirtschaft und das wissenschaftliche Niveau der Planung
wesentlich zu erhöhen. Zu diesem Zweck sollten nun auch die ökonomischen
Methoden der Wirtschaftsführung den Vorrang vor den administrativen
erhalten. Hauptelemente der Reform waren in der Sowjetunion z.B.:
Vervollkommnung der Leitung - Übergang vom Territorial- zum Branchenprinzip, Vervollkommnung der
Planung: Vereinigung von Betrieben zu „Kombinaten“, Verringerung
der zentralen Planauflagen (nicht mehr Bruttoproduktkennziffern,
sondern solche für die tatsächlich abgesetzte Produktion sind nun maßgebend),
Einsatz von materiellen Anreizen, die Bedeutung des Betriebsgewinns
wird erhöht - dieser soll sich jedoch durch seine Quellen und die Art
seiner Aneignung grundsätzlich vom kapitalistischen Profit
unterscheiden. Das erwirtschaftete Betriebsergebnis blieb nun z.B. in
der SU zu 20% (vorher 5%) in der Verfügung der Betriebe, was diese
zur Verbesserung ihrer Arbeit stimulieren, sie an hoher Leistung ökonomisch
interessieren sollte. Man schuf drei neue Fonds der Stimulierung: den
Prämienfonds (bei guter Planerfüllung bzw. Übererfüllung gibt es für
die Arbeiter die begehrte Jahresendprämie), einen sozialkulturellen
Fonds, aus dem z.B. Wohnungen finanziert werden, sowie einen Fonds der
Produktionsentwicklung. Gegenüber dem „Stachanow-System“ bedeutet
dies die Förderung kollektiver Interessiertheit der Gesamtbelegschaft
am Betriebsergebnis. Man wacht argwöhnisch
darüber, daß die Rolle des sozialistischen Staates als Subjekt der
Planung nicht angetastet wird. Gegen die Wirtschaftsreform des
Tschechen Ota Sik, die man in dieser Hinsicht als zu weitgehend
empfand, rollten schließlich die Panzer. Jedoch treibt die ökonomische
Notwendigkeit größerer Selbständigkeit der Betriebe gegenüber dem
bürokratischzentralistischen Ansatz immer erneut zu Reformversuchen.
So meldete das Informationsbulletin des ZK der KPdSU am 15.8.1985, daß
in der Sowjetunion eine Reihe wesentlicher Wirtschaftsreformen
durchgeführt werden. Sie sehen u.a. vor: weit stärkere materielle
Anreize für die Qualität der Produktion als bisher und eine
objektivere Bewertung dieser Qualität; die Betriebe können ab sofort
über Rationalisierungsinvestitionen in Höhe von umgerechnet 13 Mio
DM in der Schwer- und 8 Mio in der übrigen Industrie selbst
entscheiden; erfolgreiche Exportbetriebe können selbst über die
Devisen verfügen; die Betriebe dürfen über Jahre hinweg Kapital für
größere Investitionen akkumulieren und es zwischenzeitlich über die
Banken verleihen.[30] Die Produktionsverhältnisse
sollen nach marxistischer Grundüberzeugung die Distributionsverhältnisse
bestimmen. In der ersten Phase der kommunistischen
Gesellschaftsformation kann jedoch noch nicht soviel verteilt werden,
daß jedem nach allen seinen Bedürfnissen gegeben werden kann. Es
soll daher das Gesetz der Verteilung nach Leistung gelten: nach Quantität und
Qualität der geleisteten Arbeit wird die Entlohnung bemessen. Dieses
Gesetz ist nicht nur bedingt durch das Niveau der Entwicklung der
Produktivkräfte, das noch keinen Überfluß ermöglicht, sondern auch
durch den Charakter der sozialistischen Arbeit (die ausbeutungsfrei
geleistet wird, aber noch nicht für alle ein Lebensbedürfnis
geworden ist, so daß auf die erzieherische Funktion der Bezahlung
nach Leistung nicht verzichtet werden kann). Außerdem existieren, so
wird argumentiert, noch Unterschiede im Inhalt der Arbeit, zwischen
komplizierter und einfacher, vorwiegend körperlicher und vorwiegend
geistiger Arbeit - die Arbeit ist objektiv ungleich produktiv. Durch
das Gesetz der Verteilung nach Leistung wird zugegebenermaßen eine
gewisse Ungleichheit in Einkünften und Lebensstandard bedingt. Man
versucht eine Einkommenstruktur zu verwirklichen, die zwischen
Gleichmacherei und ungerechtfertigt hohen Einkommensunterschieden die
rechte Mitte hält. Gleichheit ist also im Sozialismus noch nicht voll
verwirklicht - soll aber, im Gegensatz zum Kapitalismus, bereits
hinsichtlich der Gleichheit aller Gesellschaftsmitglieder im Verhältnis
zu den Produktionsmitteln, in bezug auf die Chancengleichheit, das
Recht auf Arbeit und Ausbildung, existieren. Ein Teil des
Nationaleinkommens wird unter die Mitglieder der sozialistischen
Gesellschaft (ganz oder teilweise) unabhängig von ihrer Arbeit
unentgeltlich verteilt. Und zwar entstammt dieser Teil unter
sozialistischen Verhältnissen, wo der Staat ja eine ganz andere
wirtschaftliche Rolle spielt als im Kapitalismus, nur zum geringsten
Teil aus Steuermitteln, ist also nicht bloß umverteilt. Man spricht
in diesem Zusammenhang von gesellschaftlichen
Konsumtionsfonds, aus denen nicht nur die Bedürfnisse der Kinder,
Arbeitsunfähigen und Alten befriedigt werden, sondern die auch einen
gewissen Ausgleich der Bezahlung nach Leistung in bezug auf die
Grundbedürfnisse ermöglichen (Subventionierung von Mieten und
Grundnahrungsmitteln). Große Bedeutung hat
heute die ökonomische Zusammenarbeit der sozialistischen Länder und
die sozialistische ökonomische
Integration, in der man das Gegenbild der kapitalistischen
Weltwirtschaft erblickt. Hauptformen sind die Abstimmung der
Volkswirtschaftspläne im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe
(RGW), verschiedene bilaterale Formen der Kooperation, etwa gemeinsame
Errichtung von Produktionskomplexen, ein Verbundsystem der
Energiewirtschaft, der Außenhandel zwischen den sozialistischen Ländern,
die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit und eine Zusammenarbeit
im Bereich des Kreditwesens. Die sozialistische ökonomische
Integration soll - dem Wesen des Sozialismus gemäß - solidarisch und
gleichberechtigt sein, fern von Konkurrenz und Ausbeutung des Schwächeren.
Es ist klar, daß es in der Praxis manche Schwierigkeit macht, einen
so hohen Anspruch durchzuhalten. [1] Vgl. auch im folgenden die Marxsche Darstellung in MEW 23 und die Titel zur Marxistischen Politischen Ökonomie im Lit.verz. Zur Kontroverse über die Werttheorie s. Böhm-Bawerk 1973. [2] Brief an Kugelmann, 11.7.1868, MEW 32, S. 552f. [3] Vgl. hierzu z.B. Lehrbuch Pol. Ök., Vorsoz. Produktionsweisen, S. 144ff., Pol. Ök. des htg. Monopolkapt., S. 572. [4] Zur logischen Problematik vgl. Narski 1973. [5]
MEW 23, S. 185. [6]
MEW 6, S. 401. [7]
Marx, MEW 16, S. 1S2; Engels, MEW 19, S. 253. [8]
MEW 23, S. 647. [9]
ibd. 790. [10]
Vgl. ibd. 790f. [11]
MEW 23, S. 674. LW 4, S. 195ff., MEW 22, S. 231. [12] Vgl. die Marxsche Darstellung in MEW 24. [13] MEW 2S, S. 167. Vgl. die Darstellung in MEW 2S zu diesem Komplex insgesamt. [14] Darauf weist Bell 1979 hin. [15] Vgl. Einführung in die politische Okonomie des Kapitalismus, S. 143. [16]
Vgl. MEW 25, S. 453. [17] Vgl., a. i. folgenden, die Darstellung in MEW 25. [18] Engels, MEW 18, S. 217. [19]
MEW 25, S. 782. [20]
MEW 18, S. 215. [21] Einführung S. 144. [22] Der Imperialismus..., in LW 22. Zur Kontroverse s. Argument-Sonderband „Theorie des Monopols“, 1975. [23] Vgl. in den einschlägigen Titeln, z. B. Einführung, S. 283 ff. [24] Vgl. etwa ibd., S. 304ff. [25]
Ibd., S. 380. [26]
MEW 19, S. 21. [27] Vgl. etwa Pol. Ök. d. Sozialismus, 1973, und Gerns/Steigerwald 1976. [28] Vgl. a. Jung/Deppe 1971. [29] LW 3, S. 640. [30] Nach Deutsche
Volkszeitung - die tat, Düsseldorf, Nr. 37, 13.9.85, S. 8.
|